Formen & Ursachen von Durchfall

Durchfall äußert sich in zwei unterschiedlichen Formen: 

Akuter Durchfall und seine Ursachen

Infektionen | Nahrungsmittelunverträglichkeiten | Medikamente | Malassimilationssyndrom | Psychische Ursachen

Infektionen

Infektionen stehen als Ursache für akuten Durchfall ganz oben auf der Liste. Rota- und Noroviren lösen in der entsprechenden Saison ganze Epidemien in Kindergärten, Schulen und Altersheimen aus. Der Durchfall ist in diesen Fällen selbstlimitierend und nur eine symptomatische Behandlung ist möglich. Der Flüssigkeitshaushalt der Patienten sollte im Auge behalten werden. Weiterhin kommen bakterielle Erreger, Pilze und Darmparasiten infrage. Sie bedürfen einer Vorstellung beim Arzt und medikamentöser Therapie. Der Durchfall kann blutig sein und mit hohem Fieber einhergehen. Besonders kleine Kinder, kranke und alte Menschen sind gefährdet.

Entsprechende Tipps zur unterstützenden Therapie finden Sie ebenfalls auf dieser Seite unter dem Menüpunkt Behandlung von Durchfall.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Nahrungsmittelunverträglichkeit ist in Deutschland eine häufige Erkrankung und nimmt weiter zu. Am bekanntesten ist die Laktoseintoleranz. Bei diesem Krankheitsbild kann durch den Mangel an dem Enzym Laktase Milchzucker aus der Nahrung (Laktose) nicht aufgespalten werden. Die Laktose wird also erst im Dickdarm durch Bakterien verstoffwechselt und bildet dabei Gase und kurzkettige Fettsäuren. Die Fettsäuren ziehen Wasser in den Darm und verursachen auf diese Weise Durchfall. Ein ähnlicher Enzymmangel bedingt die Fruktoseintoleranz.

Lebensmittelvergiftung

Unter den Begriff Nahrungsmittelunverträglichkeit fällt weiterhin die Lebensmittelvergiftung als toxische Reaktion. Vermehren sich Bakterien in verdorbenen Lebensmitteln und bilden Giftstoffe (Toxine), dann nützt auch Erhitzen vor dem Essen nichts, da die Toxine extrem hitzestabil sind. Einmal in den Körper aufgenommen, lösen sie Erbrechen und Durchfall aus. Dies stellt die beste Möglichkeit dar, die Toxine rasch wieder loszuwerden. Die unangenehmen Symptome sollten also nicht medikamentös unterdrückt werden.

Zölikalie und einheimische Sprue

Neben toxischen Reaktionen gibt es außerdem die allergischen Reaktionen. Ein bekanntes Beispiel ist die Zöliakie oder einheimische Sprue, die Durchfall als Reaktion auf eine Gluten-Intoleranz beschreibt.

Medikamente

Medikamente haben nicht nur positive Effekte. Unerwünschte Nebenwirkungen äußern sich mitunter in Durchfall. Auch Vitamin C und Magnesiumpräparate können besonders in hohen Dosen zu Durchfall führen. Nach Beendigung der medikamentösen Therapie normalisiert sich die Darmtätigkeit rasch. 

Antibiotika verursachen oft Durchfall

Ein Antibiotikum kann als unerwünschte Nebenwirkung ebenfalls Durchfall auslösen.  Wenn ein Antibiotikum die Darmflora beeinträchtigt zum Beispiel, oder ein Medikament gegen Krebs (Zytostatikum) das Zellwachstum hemmt und die Oberfläche des Darms schädigt. Der Mechanismus geht zum einen über eine Anregung der Darmperistaltik, die sich nach Beendigung der antibiotischen Therapie wieder legt.

Eine andere mögliche Ursache für den Durchfall lässt sich aber bekämpfen. Das Antibiotikum zerstört nicht nur pathogene (krankmachende) Bakterien, sondern auch die gesunde Darmflora. Wer hierfür anfällig ist, nimmt zusammen mit dem Antibiotikum Lactobazillen (Milchsäurebakterien) als Kapseln oder Pulver ein. So wird die gesunde Darmflora direkt unterstützt und der Durchfall mit etwas Glück vermieden.

Malassimilationssyndrom

Das Malassimilationssyndrom vereint die Begriffe Maldigestion (schlechte Verdauung) und Malabsorption (schlechte Aufnahme in den Körper). Hierbei handelt es sich um Störungen der Verdauung, die eine unzureichende Ausnutzung der Nahrung beinhalten. Bei der Maldigestion sind Enzymdefekte entweder angeboren oder einzelne Verdauungsorgane (Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse) sind erkrankt. Die Malabsorption wird hauptsächlich durch entzündliche Veränderungen des Darms verursacht. Entsprechende Krankheitsbilder sind Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, oder Verkürzung des Darms durch Operationen.

Psychische Ursachen

Psychische Ursachen wie Angst, Stress oder Nervosität führen durch Anregung des sympathischen Nervensystems zu Durchfall. Die Darmperistaltik wird erhöht und der Darm hat nicht ausreichend Zeit, dem Speisebrei das Wasser zu entziehen. Sogenannter Prüfungsdurchfall tritt häufig auf und löst sich mit Beendigung der problematischen Situation wieder.

Ursachen für chronischen Durchfall – schwere Durchfallerkrankungen

Amöbenruhr | Cholera | Salmonellen | Typhus | Tuberkulose | Reizdarmsyndrom | Pankreatitis | Morbus Crohn | Colitis ulcerosa

Amöbenruhr

Amöbenruhr ist eine infektiöse Tropenerkrankung mit ausgeprägtem Durchfall, der vom Parasiten Entamoeba histolytica verursacht wird. Der Stuhl ist blutig und erinnert an Himbeergelee. Bis zu 50 Stuhlgänge können pro Tag abgesetzt werden. Amöben werden durch verunreinigte Lebensmittel oder Trinkwasser aufgenommen und vermehren sich im Darm durch Teilung. Der Darm reagiert mit einer Entzündung.

Cholera

Cholera wird durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht und betrifft hauptsächlich den Dünndarm. Cholera tritt in verschiedenen klimatischen Zonen auf, in Ländern, in denen Abwasser- und Trinkwassersystem nicht ausreichend voneinander getrennt sind. Die Menschen infizieren sich durch verunreinigtes Trinkwasser. Das Toxin des Bakteriums schädigt den Dünndarm und ruft so reiswasserartige Durchfälle hervor. Eine rasche Dehydratation ist die Folge und muss adäquat mit Infusionstherapie behandelt werden. Bei schweren Verläufen stehen Antibiotika zur Verfügung.

Salmonellen

Salmonellen sind Bakterien und verbreiten sich gerne im Sommer über rohe Eier in Süßspeisen und über Hähnchenfleisch. Sie überleben lange außerhalb des menschlichen Körpers und können auch nach einer Infektion noch lange vom klinisch gesunden Menschen abgegeben werden (Dauerausscheider).

Typhus

Typhus ist eine Erkrankung durch das Bakterium Salmonella Typhi und geht mit hohem Fieber einher. Der Puls ist trotz Fieber langsam und stellt damit ein wichtiges diagnostisches Zeichen für den Typhus dar. Eine antibiotische Therapie ist dringend angezeigt, um einen tödlichen Verlauf zu verhindern.

Tuberkulose

Die Darmtuberkulose ist in Deutschland nur selten zu sehen. Aber weltweit ist sie die häufigste Darmentzündung. Der gesamte Darm kann betroffen sein, aber typische Stellen für Entzündungsherde sind der Blinddarm und das Ileum (Dünndarmanteil). Tuberkulose kann medikamentös behandelt werden.

Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Darmerkrankung, deren genauer Mechanismus bis heute nicht ausreichend aufgeklärt werden konnte. Sind alle anderen Erkrankungen als Ursache für die Beschwerden (unter anderem Durchfall und Bauchschmerzen) ausgeschlossen, ist das Reizdarmsyndrom unangenehm, aber ungefährlich.

Pankreatitis

Die Pankreatitis ist eine schmerzhafte Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Im Rahmen der chronischen Form ist Durchfall neben starken Schmerzen das Hauptsymptom. Die Bauchspeicheldrüse produziert aufgrund der Entzündung weniger Verdauungsenzyme, was sich besonders auf die Fettverdauung auswirkt. Fettreicher Durchfall ist die Folge. Eine Therapie kann durch Verabreichung von Verdauungsenzymen passend zu den Mahlzeiten erfolgen.

Morbus Crohn

Der Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die vom Mund bis zum After das gesamte Verdauungssystem betreffen kann. Bauchschmerzen und Durchfall sind die Hauptsymptome, gefolgt von Darmverschluss und Fistelbildung. Der durchfallverursachende Mechanismus ist nicht endgültig geklärt, aber viel spricht für eine Theorie der fehlerhaften Abdichtung der Darmschleimhaut.

Colitis ulcerosa

Die Colitis ulcerosa ist ebenfalls eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, beschränkt sich aber auf den Dickdarm. Es ist nur die Darmschleimhaut betroffen. Durchfall, Darmblutungen und Koliken sind die vorherrschenden Symptome. Als zugrunde liegender Mechanismus wird eine überschießende Immunreaktion des Körpers gegen die Darmflora diskutiert.

So funktioniert die normale Verdauung im Körper

Die menschliche Verdauung ist ein komplexer Vorgang, an der viele Vorgänge und biochemische Reaktionen beteiligt sind. Sie beginnt bei der ersten Zerkleinerung und chemischen Aufspaltung der Nahrung im Mund und endet mit dem Stuhlgang, der die Abfallprodukte des Stoffwechsels aus dem Körper entfernt. Der Großteil der Verdauung findet in den verschiedenen Darmabschnitten statt, wo Enzyme die Aufgabe haben, die Nahrung in kleinere chemische Verbindungen zu zerlegen. Aus diesen kleinen Teilen wird Energie gewonnen und es werden „Bauteile“ für die ständige Erneuerung des menschlichen Körpers gewonnen.

Der Weg der Nahrung

Hat die Nahrung den Magen passiert, wo sie für die optimale Ausnutzung vorbereitet wurde, gelangt sie in den Zwölffingerdarm (Duodenum). Dort erfolgt die Aufspaltung von Kohlenhydraten in kleinere Zuckermoleküle, von Fetten in Fettsäuren und Glycerin sowie von Eiweißen in die verschiedenen Aminosäuren.

Vorgänge im Dünndarm

Diese Nahrungsteile werden in den Dünndarm weiterbefördert, wo sie über die Schleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Die Dünndarmschleimhaut ist stark gefaltet und entspricht ausgebreitet der Oberfläche eines Tennisplatzes. Eine weitere wichtige Aufgabe des Dünndarms ist die Resorption (Wiederaufnahme) von etwa 80 % des Wassers aus dem Speisebrei. Das Wasser folgt dabei dem zuerst aufgenommenen Salz durch osmotische Diffusion.

Vorgänge im Dickdarm

Der Speisebrei befindet sich nun im Dickdarm (Kolon), wo weitere 19 % Wasser zurück in den Körper geleitet werden. Außerdem verfügt der Dickdarm über zahlreiche Mikroorganismen (Darmflora), die verschiedene Teile der Nahrung durch Fermentation verdauen. Der unverdauliche Rest wird als Stuhlgang über den Enddarm ausgeschieden.

Durchfall beginnt im Dünndarm

Der Mechanismus, der Durchfall auslöst, setzt im Dünndarm an. Bei einer Infektion setzen sich die Erreger auf die Darmwand und beginnen, sich zu vermehren. Teilweise bilden sie giftige Stoffe, andere dringen in die Zellen der Darmwand ein. Als Folge wird die Darmoberfläche (die Zotten) geschädigt und der Transport von Salz und Zucker durch die Darmwand funktioniert nicht mehr reibungslos. Es werden vermehrt Elektrolyte (Salze und Zucker) und Wasser in den Stuhl abgegeben. So entstehen der ungeformte bis flüssige Stuhlgang bei Durchfall sowie der Flüssigkeits- und Salzverlust.

Erhöhte Darmbewegung

Ist die Ursache für den Durchfall nicht infektiöser Natur, kommt ein weiterer Mechanismus in Betracht. Die Darmperistaltik (Darmbewegung) wird angeregt und durch den rascheren Transport des Speisebreis hat der Körper entsprechend weniger Zeit dem Darminhalt Salze und Wasser zu entziehen. Diese werden mit ausgeschieden und bedingen den Durchfall.

Weitere Symptome: Übelkeit und Erbrechen

Im Rahmen einer Erkrankung, die Durchfall verursacht, leiden die Patienten oft auch an weiteren Symptomen. Allen voran Übelkeit und Erbrechen, da der Magen zum Verdauungssystem gehört und der Körper auf diesem Weg ebenfalls versucht, sich von Krankheitserregern zu befreien. Schwächegefühl und Kreislaufprobleme weisen auf die körperliche Belastung hin, die Durchfall bedeutet. Auch Salz- und Wasserverlust haben eine direkte Wirkung auf das Kreislaufsystem. Fieber und Kopfschmerzen sind Anzeichen für eine Infektion und spiegeln die Stresssituation wieder, in der sich der Organismus befindet.

Einteilung nach Dauer

Eine grundlegende Einteilung der Durchfallerkrankungen unterscheidet verschiedene Formen nach der Dauer der Durchfallepisoden. So bewegt sich der akute Durchfall in einem Zeitrahmen von zwei bis maximal drei Wochen. Die Ursachen sind vorübergehend, bzw. behandelbar, also entweder infektiös oder von einer Vergiftung herrührend. Hält der Durchfall länger an, oder tritt wiederholt in kurzen Abständen auf, wird von chronischer Diarrhö gesprochen. Als Ursachen liegen chronische Erkrankungen, Tumore, Lebensmittelallergien oder -intoleranzen nahe.